Dachverband der
Luftsportvereine in Schleswig-Holstein
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und im Landessportverband Schleswig-Holstein
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Premiere am Flugplatz Leck
Schlachtabfälle statt Kerosin
Am 25. Juni ist am Flugplatz Leck erstmals ein Flugzeug mit dem neuartigen Treibstoff HVO 100 gestartet. Der Treibstoff wird aus Schlachtabfällen und alten Speiseölen gewonnen und reduziert die CO2-Emissionen um rund 90 Prozent. HVO 100 ist mit etwa 1,75 Euro pro Liter deutlich günstiger als Kerosin und kann langfristig Diesel ersetzen. Der Flugplatz Kiel plant, eine Tankstelle für HVO 100 aufbauen.
Es war kurz nach zwölf, als Werner Schweizer am Donnerstag, 25. Juni, auf dem Flugplatz der Sportfluggruppe Leck seine Maschine, eine Cessna mit dem Kennzeichen D-EMNX, auf die Startbahn rollte. Was unspektakulär klingt, war ein besonderer Moment: Zum ersten Mal hob deutschlandweit ein Flugzeug ab, dessen Tank mit HVO 100 gefüllt war. Kein Kerosin, kein herkömmlicher Diesel.
Schweizer ist Aufsichtsratsvorsitzender der Grenzland Bürgerenergie, einer Genossenschaft aus Nordfriesland, die seit Jahren auf erneuerbare Energien setzt. HVO 100 steht für Hydrotreated Vegetable Oil, auf Deutsch: hydriertes Pflanzenöl. Gewonnen wird der synthetische Dieselkraftstoff vollständig aus biologischen Rest- und Abfallstoffen – darunter Schlachtabfälle und Altspeisefette.

Werner Schweizer ist der Pilot, der den ersten Flug mit dem neuen Kraftstoff machen wird. Foto: Nicole Lütke
Das Besondere an diesem Treibstoff: Die CO2-Emissionen sinken damit gegenüber konventionellem Treibstoff um rund 90 Prozent. „Das ist ein Riesenschritt für eine nachhaltige Luftfahrt“, meint Schweizer. Er bringt einen sehr anschaulichen Vergleich: „Wenn ich fliege, brauche ich weder Straßen noch Schienen“, sagt er und lacht. Für einen Kilometer Autobahn würden rund 430.000 Tonnen Material verbaut – verbunden mit einem enormen Energieeinsatz beziehungsweise CO2-Ausstoß. „HVO 100 könnte langfristig Diesel ersetzen“, meint der Klixbüller. So könne man nachhaltig in die Luft gehen.
Reinhard Christiansen geht in die Luft – mit ökologischem Treibstoff im Tank
Schweizer war nicht der Einzige, der auf diesen Tag gewartet hatte. Der Himmel über Leck hätte für diesen Jungfernflug kaum passender sein können: strahlendes Blau, kein Wölkchen, Sonnenschein. Die Mitarbeiter der Grenzland Bürgerenergie hatten sich am Flugplatz versammelt, um dabei zu sein. Und Reinhard Christiansen, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, stieg in die Cessna, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Einfach einsteigen, anschnallen, freuen.
Dabei hatte er auf diesen Moment lange gewartet. Seine Belegschaft hatte ihm einen Rundflug geschenkt, doch Christiansen, der in der Region als jemand gilt, der ökologische Haltung lebt, wollte nicht einfach so fliegen. Mit Kerosin im Tank kam für ihn kein Flug infrage. Also wartete er. Auf die Zulassung. Auf den richtigen Kraftstoff. Auf diesen Tag auf dem Flugplatz Leck.
Schweizer, der selbst über eine ATPL-Lizenz verfügt, also die höchste Pilotenlizenz für Verkehrsflugzeuge bis zum A380, steuerte die Maschine. Die Route führte zunächst nach Westre, direkt über die Anlagen der Grenzland Bürgerenergie, dann weiter über Flensburg nach Kiel und zurück nach Leck. Rund eine Stunde.
Flugzeuge mit HVO 100 sollen auf Mittelstrecken fliegen
Wer mit HVO 100 fliegen will, braucht zunächst den Kraftstoff. In Klixbüll gibt es bereits eine private Tankstelle, die erste in der Region. Der Flugplatz Kiel hat angekündigt, ebenfalls eine aufzubauen. Und der Preis hält keine bösen Überraschungen bereit: rund 1,75 Euro pro Liter für HVO 100, gegenüber etwa 3,65 Euro für Kerosin. „Ökonomie und Ökologie kommen da wunderbar zusammen“, findet Schweizer.
Von Nicole Lütke | shz-Verlkag | 27.06.2026, 12:00 Uhr